Inhaltstyp: Interview

Ein Interview mit Daniel Bogner-Haslbeck

Daniel Bogner-Haslbeck / SEMPACT AG

2024 haben wir uns das zweite Mal bilanzieren lassen. Die GWÖ-Bilanz dient uns als internes Transformations-Instrument, welches unseren Reflexionsprozess fördert. Es zeigt uns, wo Möglichkeiten und Chancen für SEMPACT liegen, um unsere Nachhaltigkeit weiter zu stärken. Gleichzeitig zeigt das Tool, wo wir bereits gut sind, und ermöglicht eine Vergleichbarkeit mit anderen GWÖ-bilanzierten Unternehmen.

Marina und Daniel von SEMPACT möchten Unternehmen überzeugen, den Weg der Nachhaltigkeit zu gehen.

Wir möchten andere Unternehmen überzeugen, ebenfalls den Weg der Nachhaltigkeit einzuschlagen, denn nur gemeinsam können wir etwas bewegen.

Zur Bilanzierung haben wir einen ausführlichen Bericht erstellt, unser Handeln fürs Gemeinwohl mit Punkten bewerten und im Anschluss durch einen externen Auditor auditieren lassen. Wir haben uns dieses Jahr um ca. 100 Punkte im Vergleich zu vor zwei Jahren verbessert. Ein absoluter Erfolg, den wir vor allem unserem Mitarbeiter Daniel Bogner-Haslbeck verdanken. Er initiiert und leitet das Projekt bei SEMPACT. Wie genau erzählt er in einem Interview.

Wie lange kennst du GWÖ bereits und wie
lange beschäftigst du dich mit dem Thema bei SEMPACT?

Ich habe die GWÖ Ende 2019 durch einen Vortrag in einer Buchhandlung kennengelernt. Dort wurde die Gemeinwohl-Ökonomie als eines von vielen alternativen Nachhaltigkeitskonzepten vorgestellt. Die Auseinandersetzung im Anschluss hat meine Sichtweise erweitert.

Bisher lag mein persönlicher Fokus auf dem ökologischen Aspekt von Nachhaltigkeit – durch die GWÖ habe ich auch den Blick auf das Miteinander bekommen. Die Aspekte Menschenwürde, Solidarität und Mitbestimmung nehmen einen hohen Stellenwert ein und bilden bei der GWÖ die Basis dafür, dass Unternehmen auf Ihre Umwelt achten können und trotzdem wirtschaftlich erfolgreich sind.

Ein halbes Jahr nach meinem ersten Kontakt mit dem Thema GWÖ habe ich bei SEMPACT zu arbeiten begonnen. Meine Aufgabe neben meiner Beratertätigkeit als Energieeffizienzcoach für den deutschen Mittelstand war die Einführung des Gemeinwohlgedankens bei SEMPACT – ein perfekter Match für mich, der mir bis heute viel Freude bereitet.

Bitte beschreibe zum Einstieg welche Rolle du
bei der GWÖ-Bilanzierung von SEMPACT hast.

Meine Rolle bei SEMPACT war es, die GWÖ einzuführen und zum Leben zu erwecken – dass sie Teil unseres täglichen Handelns und Entscheidungsgrundlage wird.

Die GWÖ hat einen universellen Charakter, da sie für möglichst viele Branchen und Unternehmensgrößen einen Rahmen zur Entwicklung hin zu Nachhaltigkeit bieten möchte. Diesen Rahmen kann jedes Unternehmen für sich anpassen. Meine Aufgabe war die Fokussierung und der Blick auf das für uns Wesentliche.

Thomas Schedl, Vorstand der SEMPACT AG
Seit 2015 beschäftigt sich Thomas Schedl (Vorstand der SEMPACT AG) mit der Gemeinwohl-Ökonomie.

Welchen Bezug hast du persönlich zu dem Thema?

Über die Regionalgruppen der GWÖ habe ich Menschen kennengelernt, die mich persönlich zum Wandel bewegt haben. Ich lebe inzwischen vegan, habe mich mit meinen Bankkonten auseinandergesetzt und mein Geld nachhaltig angelegt.

Es gibt aus meiner Sicht viele hervorragend arbeitende NGOs und Vereine – aber mit ihrem ganzheitlichen Blick auf Nachhaltigkeit in der Wirtschaft hat die GWÖ ein Alleinstellungsmerkmal. Das empfinde ich als essenziell, denn es gibt für mich in diesem Kontext keinen treffenderen Satz als den von Dr. med. Eckart von Hirschhausen:

„ […] es ist schwer, ehrenamtlich die Welt zu retten, wenn andere sie hauptberuflich zerstören.“

Ich bin überzeugt davon, dass wir unsere Wirtschaft am Wohl der Menschheit ausrichten können. Deshalb ist die GWÖ-Bewegung für mich eine soziale Innovation, die ich als konkret und anwendbar empfinde. Sie ist auf unternehmerischer und privater Ebene in den Alltag integrierbar.

Was macht aus deiner Sicht eine
erfolgreiche GWÖ-Bilanzierung aus?

GWÖ Bilanz

Erfolgreich ist eine GWÖ-Bilanzierung für mich dann, wenn der Prozess im Unternehmen zu Veränderung führt. Wenn der Prozess die Mitarbeitenden motiviert, Themen im Unternehmen anzugehen und zu verbessern. Wichtig ist dabei für mich, dass Nutzen und Aufwand in einem gesunden Verhältnis stehen. Deshalb ist auch die Auseinandersetzung mit der Wesentlichkeit entscheidend für den Erfolg der GWÖ-Einführung.

Was ich auch gut finde, ist, dass der Bilanzierungsprozess interne Konfliktthemen zu Tage bringt. Bei uns war das zum Beispiel das Thema Arbeitszeitmodelle – Was ist Teilzeit, was ist Vollzeit? Ist die 30 Stundenwoche als Berater für SEMPACT tragbar?

Zudem finde ich, dass die GWÖ nur dann erfolgreich im Unternehmen implementiert werden kann, wenn viele Mitarbeitenden in den Prozess involviert sind. Die GWÖ sollte also nicht in einem spezifischen Fachbereich laufen, sondern als Organisationsentwicklung gelebt werden.

Ich möchte auch noch erwähnen, dass der Fokus nicht auf der Bilanzierung liegen sollte. Diese findet nämlich nur alle 2 Jahre statt. Richtigen Mehrwert bringt die GWÖ als Managementtool dann, wenn das Wirtschaften des Unternehmens an den Prinzipien der GWÖ ausgerichtet wird.

Welche Aspekte davon erfüllen wir bei
SEMPACT bereits?

Wir sind noch im Übergang, wir sind ein kleines Unternehmen. Viele der Werte haben sich eingeschlichen oder sind schon recht konkret hinterlegt worden. Zum Beispiel bei Entscheidungen zu Versicherungen oder der Auswahl von neuen Lieferanten.

Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial
bei SEMPACT?

Uns fehlen noch Entscheidungsgrundlagen oder -vorlagen, damit alle Mitarbeitenden von SEMPACT Entscheidungen auf gleichen Grundlagen treffen können. Auch sollten wir unsere eigenen SEMPACT-Werte mit der GWÖ-Matrix noch in Einklang bringen. Wo sind Überschneidungen? Abgrenzungen? Ergänzungen? Wir vermuten, dass an manchen Stellen nur andere Worte stehen, aber der gleiche Inhalt gemeint ist.

Ein weiteres Verbesserungspotenzial sehe ich im konstanten Hinterfragen unserer Verantwortung als Unternehmen. Wie können wir unsere Werte am Markt und gegenüber den Mitarbeitenden durchsetzen, ohne übergriffig zu werden? Eine unserer Fragen ist immer wieder die Ernährung während der Arbeitszeit, bei Geschäftsreisen und bei von uns organisierten Veranstaltungen. Da wir als einen unserer Unternehmenswerte “Bewusstheit“ haben stelle ich mir immer wieder die Fragen: „Wie steht das im Zusammenhang mit unserer Ernährung? Wie weit können und wollen wir als SEMPACT noch mehr Bewusstheit für ressourcenschonende Ernährungsweisen schaffen?“ Diese Themen müssen wir noch mit dem gesamten Team diskutieren und in Einklang bringen.

Hintergrundwissen Gemeinwohlökonomie

Wo siehst du bisher die größten Auswirkungen durch die Einführung der GWÖ bei SEMPACT?

Die größte Auswirkung auf das Gemeinwohl sehe ich bei SEMPACT bei den Reisetätigkeiten. Als Beratungsunternehmen sind wir viel unterwegs und bisher war das fast ausschließlich mit dem Auto. Seit der ersten GWÖ-Bilanzierung und unserer damit einhergehenden CO2-Bilanz sind viele Berater und Beraterinnen auf die Bahn umgestiegen. Zumindest überlegen wir inzwischen vor jeder Reise, was die sinnvollere Alternative ist: Auto oder Bahn?

Auch insgesamt haben wir unser Mobilitätskonzept überdacht: Statt jedem Berater oder jeder Beraterin ein Geschäftswagen zur Verfügung zu stellen, gibt es inzwischen ein elektrisches Pool-Fahrzeug und Bahncards. Wir nehmen das Auto als eine Möglichkeit der Fortbewegung wahr, aber nicht als die Einzige. Hinsichtlich unserer Kunden haben wir auch eine Veränderung hinter uns: Wir akzeptieren viel weniger „Scheinheiliges Gejammer“ warum bestimmte Norm-Abweichungen nicht umgesetzt werden konnte. Wir suchen uns unsere Kunden noch bewusster aus und arbeiten vermehrt mit Unternehmen zusammen, die sich ernsthaft mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen und Bereitschaft zur Transformation zeigen.

Fallen dir Beispiele für verändertes Wissen/ Bewusstsein/ Einstellung ein?

Unsere erste Klimabilanz wurde durch unsere erste GWÖ-Bilanz angestoßen und umgesetzt. So haben wir mehr zahlenbasierte Stellschrauben, um unsere Auswirkungen auf das Klima zu reduzieren.

Zudem empfinde ich das Team von SEMPACT viel mehr als Einheit. Wir denken alle systemischer und agieren als Einheit, um unsere Ziele zu erreichen.

Fällt dir ein Beispiel für verändertes Handeln ein?

Mit fällt auf, dass die Rechtfertigung für vormals rein ethische Entscheidungen weggefallen ist. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SEMPACT haben sich automatisch schon für eine nachhaltige Lösung entschieden, und dann vielleicht doch noch so einen Funken schlechtes Gewissen gehabt, weil diese manchmal mit Mehrkosten verbunden ist. Jetzt auf Basis der GWÖ ist die Entscheidungsgrundlage klar. Ich sehe auch viel mehr Absprachen bezüglich Reisetätigkeiten und das gemeinsame Angehen von Projekten.

Wer profitiert deiner Meinung nach am meisten von der GWÖ-Bilanz bei SEMPACT und warum?

Ich – weil es mir unglaublich Spaß macht. Ich lerne stetig dazu – fachlich und als Person. SEMPACT profitiert als Unternehmen in Sachen CO2-Reduktion und auch durch Kostenreduktion, indem wir auf Geschäftswagen verzichten.

In der Beziehung mit unseren Lieferanten profitieren wir von langfristigen Beziehungen und das Gemeinwohl profitiert wiederum davon, dass wir Lieferanten wählen, denen Nachhaltigkeit auch am Herzen liegt. Zum Beispiel WEtell oder Studio Leeflang, die auch sehr nachhaltig aufgestellt sind.

Könnten auch unerwünschte Wirkungen durch die Einführung der GWÖ-Bilanz auftreten?

Wenn ja, welche und warum?

Mit Sicherheit kann es zu unerwünschten Wirkungen durch die Einführung der GWÖ kommen.

Überforderung kann dann auftreten, wenn die Einführung nicht gut dossiert ist und die Arbeitslast nicht gut verteilt und getaktet wird.

Durch den Prozess kann es zu einer gewissen Ernüchterung oder Schockstarre unter den Mitarbeitenden kommen. Oft denken engagierte Geschäftsführer oder Nachhaltigkeitsmanager, dass das eigene Unternehmen gut aufgestellt ist. Aber bei der Vielzahl der GWÖ-Themen erfahren sie dann, dass sie noch viel Potenzial haben. Interne Konflikte können zu Tage treten und man sollte aufpassen, dass es kein interner Wettbewerb wird. Jeder trägt in seinem Maß und mit den ihm oder ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dazu bei, das Unternehmen nachhaltiger aufzustellen. 

Was konkret müsste an der Durchführung verändert werden, um diese unerwünschten Wirkungen zu verhindern?

Bei Überforderung empfiehlt sich ein Projektplan mit konkreten Verantwortlichen, einer Ressourcenplanung. Und auch Anpassungsflexibilität, wenn der Prozess an der einen oder anderen Stelle länger dauert als geplant.

Mit dem Thema Ernüchterung gehe ich folgendermaßen um: Egal welches Punktergebnis bei der GWÖ-Bilanz rauskommt. Ich würdige immer das, was schon vorhanden ist. Ich vergleiche SEMPACT nicht mit den Punkten anderer Unternehmen, sondern richte den Blick auf unsere Zukunft: In welchen Bereichen wollen und können wir uns verbessern? Wenn man das für sich bestimmt hat, dann kann man konkrete Best Practice Beispiele von anderen Unternehmen suchen.

Wenn Konflikte auftreten, ist es wichtig, diesen Raum zu geben. Man sollte sie nicht übergehen, sondern auflösen, ggfs. auch außerhalb vom GWÖ-Prozess oder mit Hilfe eines externen Mediators.

Wie siehst du den Bezug zu unserer CO2-Bilanz?

Unsere erste GWÖ hat mich dazu animiert, das Thema CO2-Bilanz bei SEMPACT im Detail anzugehen. Die Auseinandersetzung mit unserer eigenen CO2-Bilanz hat zu einer neuen Dienstleistung für unsere Kunden geführt. Hier entsteht eine Brücke zu unserem Alltagsgeschäft. Wir entwickeln aus dem GWÖ-Prozess neue Dienstleistungen heraus, schärfen unser Knowhow und entwickeln uns als Team und als Personen.

Quellen:

Ihr GWÖ-Experte

Daniel Bogner-Haslbeck, MBE

Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitscoach

Fon: +49 8191 657088-17

Expertin Nachhaltigkeit

Wir reden bei der Energieeffizienz auch immer von Gewinn

Im Interview mit dem Instandhaltungsmagazin „i-Quadrat“ spricht Thomas Schedl über den Einfluss der Geschäftsführung und der Instandhaltungsmitarbeiter auf den Erfolg oder Misserfolg von Energiemanagement und Energieeffizienz.

Das ganze Interview lesen Sie in der Ausgabe 2.2016 oder hier:

Antonia Meichelböck
im Interview

Energie ist seit Menschengedenken immer schon das Thema Nummer 1 das es zu lösen gibt. Dabei ist es sehr wichtig, dass Energie für die Unternehmen und privaten Haushalte kontinuierlich zur Verfügung steht und bezahlbar bleibt. In unserem Beitrag betrachten wir die Herausforderungen von Unternehmen. Die drastischen Anstiege der Preise für Energieträger wie z.B. Heizöl, Gas, Strom und Kohle machen es aktuell allen Unternehmen schwer, ihre Energiekosten einzupreisen und an den Verbraucher weiterzugeben – eine Herausforderung.

Die Betrachtung regenerativer Energien wie Wärme, Wasser, Strom, Wind, Solarthermie und Photovoltaik, um nur einige zu nennen, ist dabei sehr wichtig. Dadurch verringerte CO2-Emissionen bergen ein beträchtliches Einsparpotenzial. Gerade das Zusammenspiel verschiedener Energieträger, neuer Technologien und Effizienzmaßnahmen und dann noch gesetzliche Vorgaben stellt die Unternehmen vor die Herausforderung den Überblick zu behalten und im Vorfeld die möglichen Maßnahmen zu bewerten oder eine zukunftsfähige Strategie zum Energie- und CO2-Sparen zu entwickeln.

Genau hier beginnt das Aufgabenfeld eines Energieberaters. Die Aufgabe ist zuerst eine Analyse des Verbrauchs und der Verbraucher durchzuführen. Das Thema Energie stand in manchen Unternehmen nicht zu sehr im Fokus. In den meisten Unternehmen werden die Strom-, Wasser- und Gaszähler herangezogen, um den Bedarf zu ermitteln. Um ein Unternehmen umfassend zu beraten sind aber deutlich mehr Daten notwendig.

Interview mit Antonia Meichelböck – Energieeffizienzcoach bei der SEMPACT AG:

1. Wenn Sie im ersten Gespräch mit einem neuen Kunden sind, auf welche Erwartungen treffen Sie am häufigsten?

Das ist schwer pauschal zu beantworten, da jeder Kunde andere Erwartungen hat. Sowohl die Unternehmensgröße als auch der Entwicklungsstand ist bei jedem Kunden unterschiedlich. Große Unternehmen haben sich meist bereits mit dem Thema Energieverbrauch befasst und auseinandergesetzt – kleine Unternehmen und Mittelständler sind oft noch sehr auf die Produktion fokussiert und befassen sich jetzt erst mit Potenzialen in Gebäudeinfrastruktur und Versorgungsprozessen und haben hier Beratungsbedarf. Grundsätzlich ist es die Erwartungshaltung, mit möglichst wenig Investition viel Energieeinsparung zu erzielen. Bei sogenannten „Low-hanging-fruits“ ist es relativ einfach umsetzbar, den Energieverbrauch durch einfache Maßnahmen zu optimieren. Je nach Entwicklungsstand der Unternehmen erhöhen sich auch die Investitionen, denn je mehr Potenziale die Unternehmen schon gehoben haben, umso kostenintensiver wird es – wenn zum Beispiel Maschinen ausgetauscht, Prozesse verknüpft oder ganze Anlagen erneuert werden müssen. Diese Umsetzung kann nur funktionieren, wenn die reine Betrachtungsweise von einem möglichst hohen Return of Investment (ROI) geändert wird, indem man weitere Faktoren miteinbezieht und langfristiger denkt.

Welche Erwartungen betreffen Sie in Ihrer Beratungstätigkeit direkt?

Unsere Kunden erwarten in erster Linie Ideen und eine wirtschaftliche Bewertung ihrer Potenziale. Dabei sind ihnen unsere Empfehlungen als auch Einschätzungen der zukünftigen Entwicklung wichtig. Wir unterstützen unsere Kunden im gesamten Prozess, indem wir die Umsetzung der Maßnahmen begleiten, Angebote für sie einholen und Fördermöglichkeiten berücksichtigen. Hier stehen wir ausschließlich auf Seite der Kunden, da wir anbieterunabhängig sind. Somit können wir eine erfolgreiche Projektentwicklung sicherstellen und festgesteckte Ziele erreichen.

2. Was sind die häufigsten Missstände, die in Unternehmen bei Ihren Analysen auffallen?

Grundsätzlich ist es wenig zielführend, nicht das gesamte System und nur die einzelnen Bereiche als unabhängige Prozesse zu betrachten. Bei Analysen wird oft klar, dass sich einzelne Bereiche gut verknüpfen lassen ( z.B. Wärmerückgewinnung bei Druckluft, um das Heizsystem zu unterstützen). Die reine ROI-Bewertung ist, wie vorhin schon erwähnt, nicht auf energetische Maßnahmen anzuwenden. Vor allem wenn es um größere Maßnahmen geht, ist er das falsche Instrument. Energetische Maß-nahmen rechnen sich oft nach längerer Zeit, daher gibt der ROI oft einen falschen Blick auf die Maßnahme. Besser ist es mit einem dynamischen Kapitalwert zu rechnen, der auf längere Sicht aussagekräftiger ist. Außerdem ist eine rein wirtschaftliche Bewertung zu eindimensional. Themen wie CO2-Emission, Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, Mitarbeiterbefinden und weitere Umweltauswirkungen werden außer Acht gelassen. Authentizität benötigt ernsthafte Investments anstatt CO2-Kompensation. Bei vielen Maßnahmen können außerdem Förderungen beantragt werden, deren großer Umfang vielen Unternehmen nicht bewusst ist.

3. Welche Veränderungen und Einsparungen haben die Umwelt-Managementsysteme
DIN ISO 50001 und EMAS auf die Unternehmen, welche nachhaltigen Effekte sehen Sie in diesen Unternehmen?

Grundsätzlich ist es wenig zielführend, nicht das gesamte System und nur die einzelnen Bereiche als unabhängige Prozesse zu betrachten. Bei Analysen wird oft klar, dass sich einzelne Bereiche gut verknüpfen lassen ( z.B. Wärmerückgewinnung bei Druckluft, um das Heizsystem zu unterstützen). Die reine ROI-Bewertung ist, wie vorhin schon erwähnt, nicht auf energetische Maßnahmen anzuwenden. Vor allem wenn es um größere Maßnahmen geht, ist er das falsche Instrument. Energetische Maß-nahmen rechnen sich oft nach längerer Zeit, daher gibt der ROI oft einen falschen Blick auf die Maßnahme. Besser ist es mit einem dynamischen Kapitalwert zu rechnen, der auf längere Sicht aussagekräftiger ist. Außerdem ist eine rein wirtschaftliche Bewertung zu eindimensional. Themen wie CO2-Emission, Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, Mitarbeiterbefinden und weitere Umweltauswirkungen werden außer Acht gelassen. Authentizität benötigt ernsthafte Investments anstatt CO2-Kompensation. Bei vielen Maßnahmen können außerdem Förderungen beantragt werden, deren großer Umfang vielen Unternehmen nicht bewusst ist.

4. In welcher Technologie sehen Sie Ihrer
Meinung nach das größte Einsparpotenzial
für die Zukunft?

Das muss im Einzelnen betrachtet und kann nicht pauschal beantwortet werden. Regenerative Alternativen zur Wärmeversorgung ergeben Einsparpotenziale im Sinne der CO2-Emission – die zukünftig als mindestens genauso notwendig betrachtet werden muss, wie der wirtschaftliche Aspekt. Hier wird auch durch Automatisierung und Digitalisierung ein hohes Einsparpotenzial möglich sein. Ein offener Austausch und der Wegfall von Konkurrenzgedanken zwischen Unternehmen könnte Einsparpotenziale und Innovationen beschleunigen. Zum Beispiel wenn ein Unternehmen die Abwärme eines anderen nutzen kann. Wenn Wissen geteilt wird oder auch der Fuhrpark. Örtlich vernetzte PV-Anlagen haben auch hohe Potenziale. Der Cloud-Gedanke sollte nicht nur digital, sondern auch in der Praxis umgesetzt werden. Das größte Einsparpotenzial liegt meiner Meinung nach, wie vorhin schon erwähnt, darin, aufzuhören rein wirtschaftlich zu bewerten und andere Faktoren miteinzubeziehen. Momentan kommen so viele Technologien auf den Markt, dass es falsch wäre, sich auf eine festzulegen.

5. Nach einer ersten Analyse und Bestandsaufnahme eines Unternehmens bis zur erfolgreichen Umsetzung ist es ein langer Weg. Welchen Zeitraum müssen Unternehmen realistisch einplanen?

Das ist individuell abhängig von den umzusetzenden Maßnahmen. Wir bei SEMPACT bieten unseren Kunden die komplette Bandbreite an. Von der einzelnen Einsparmaßnahme bis zur kompletten Transformation zum klimapositiven Unternehmen. Dabei zählt jeder Schritt. Um wirklich etwas zu verändern, benötigen alle Beteiligten Zeit zur ganzheitlichen Betrachtung und Planung von Maßnahmen. Aus Erfahrung sind schnelle Maßnahmen jedoch nicht die wirkungsvollsten.
Wir wollen an die Ursache ran und nicht gegen Symptome ankämpfen.

6. Bei fast allen Unternehmen wird Energie in Wärme umgewandelt und fast ungenutzt ins Freie abgeleitet, welche Möglichkeit stehen hier Kunden zur Verfügung?

Zuerst einmal muss abgefragt werden, ob das Unternehmen die Wärme anderweitig gebrauchen könnte. Wie kann zum Beispiel die Wärme gebündelt werden? Eine Möglichkeit wäre hier, statt dezentrale Luftkühler eine zentrale Wasserkühlung an Maschinen (z.B. Spritzgussmaschinen) anzubinden und somit die Abwärme nicht in Umgebungsluft abzugeben, sondern in ein zentrales Netz einzuspeisen. Die ausgekoppelte Wärme könnte kann somit zur Heizungsunterstützung genutzt werden. Und gleichzeitig würde der Energiebedarf für die Klimatisierung reduziert.

7. Stichwort: Kälte aus Wärme?

Dazu brauch es eine Grundvoraussetzung: Die Wärme muss kostenlos zu Verfügung stehen (Abfallprodukt, Restwärme, Abwärme) und nicht extra dafür erzeugt werden. Das wäre absolut ineffizient, da immer ein Wärmeverlust durch die Umwandlung entsteht. Wenn Wärme also kostenlos zur Verfügung steht und nicht anderweitig eingesetzt werden kann, wie bei Ihrer letzten Frage erläutert, dann kann über Kälteerzeugung nachgedacht werden. Für diesen Prozess gibt es Adsorptions- und Absorptionskältemaschinen. Diese benötigen unterschiedliche Temperaturniveaus und haben unterschiedliche Investitionskosten. Grundsätzlich muss das Temperaturniveau aber sehr hoch sein. (Absorption ab ca. 85 °C / Adsorption ab ca. 65°). Der Einsatz dieser Maschinen muss gut kalkuliert werden und ist vor allem abhängig von den Betriebsstunden der Wärmeverfügbarkeit und vom Temperaturniveau des Kältebedarfs, da die Maschinen im Verhältnis zu normalen Kältemaschinen deutlich teurer sind. Alles in allem müssen viele Kriterien erfüllt sein, dass sich der Einsatz rechnet. Hier ist es wieder wesentlich, bewusst das gesamte System zu betrachten und nicht in einzelnen Prozessen zu denken.

8. Ein abschließender Gedanke?

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es uns als Beratern wichtig ist, dem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen und zu agieren, die Prozesse im Unternehmen genau zu analysieren und spezifische und individuelle Lösungen zu erarbeiten. Um langfristig effizient zu wirtschaften, müssen alle Systeme des Unternehmens miteinbezogen werden. Ein realistischer Erfolg der Maßnahmen ist auch immer davon abhängig, dass alle Beteiligten am selben Strang ziehen. Nur so kann Wandel ermöglicht werden.