Transparenz über Perfektionismus

Unsere CO2-Bilanz-Erstellung

CO2-Bilanzierungen, Klimaneutralität und Corporate Carbon Footprint sind nur ein paar Stichworte, die momentan in aller Munde sind. Wir bei SEMPACT haben uns mit den Thematiken im Detail auseinandergesetzt und unsere eigene CO2-Bilanz erstellt. Dabei sind wir auf Herausforderungen gestoßen, auf deren Basis wir uns erfolgversprechende Lösungsansätze erarbeitet haben. Diese Erfahrungswerte nutzen wir bei der Erstellung von CO2-Bilanzen für unsere Kunden.

Die ersten Schritte

Der erste wichtige Schritt war für uns, einen Verantwortlichen zu benennen. Ich, Daniel, habe als ernannter „Head of Climate“ die Treibhausgasbilanz für SEMPACT erstellt. Meine ersten Schritte würde ich Stand heute als „ein wildes Drauflosrennen“ beschreiben. Das bedeutet konkret, dass ich mir selbst zuerst Gedanken gemacht habe, welcher Bereich bei uns am meisten Kohlenstoffdioxid verursachen könnte. Da wir als Beratungsunternehmen viele Kundentermine haben, legte ich deshalb den Fokus auf unseren Fuhrpark und unsere Geschäftsreisen. Um die Relevanz dieses Bereiches zu validieren, erfasste ich schrittweise weitere Emissionsquellen, wie unsere elektrischen Verbraucher in den Büros, Hotelübernachtungen oder den anfallenden Müll. Damit bekam ich ein Gefühl für die Big-Points unserer CO2-Bilanz (siehe Grafik CO2-relevante Bereiche von Sempact).

Standardisierung bringt Struktur

Während meiner Arbeit an unserer CO2-Bilanz bin ich immer wieder auf das Green House Gas (GHG) Protocol, die ISO 14060er-Normenreihe, den PAS 2050 / 2060 und weitere Richtlinien gestoßen. Dazu findet man eine große Vielzahl an Informationen, Checklisten und Beispielen im Netz.

An diesem Punkt im Projekt musste ich einen Schritt zurück gehen und mir klar machen: Was wollen wir mit unserer Bilanz zeigen und welcher Standard hilft mir dabei, meine Daten sinnvoll zu strukturieren? Denn die viele Arbeit, so sinnvoll sie auch sein mag, möchte niemand doppelt machen. Deshalb habe ich mich entschieden, unsere eigene CO2-Bilanz auf Grundlage des GHG Protocols aufzubereiten, da dies der weltweit verbreiteste Standard zur Erstellung von Treibhausgasbilanzen ist. Verantwortlich für den Ausstoß von Treibhausgasen sind meist die Verbrennung fossiler Rohstoffe, oder Prozesse, bei welchen vormals in der Erde gebundene Stoffe als Gase in die Atmosphäre entweichen. CO2 ist das Treibhausgas mit der geringsten Treibhauswirkung, jedoch aufgrund seiner Häufigkeit das relevanteste. Für alle weiteren Treibhausgase wurden sogenannte CO2-Äquivalenzwerte gebildet, welche das Treibhauspotential des jeweiligen Gases im Verhältnis zu CO2 darstellen.

Das GHG Protocol orientiert sich an den Grundprinzipien der Relevanz, Vollständigkeit, Konsistenz, Transparenz und Genauigkeit. Dieser Standard teilt die Emissionen in drei Scopes sowie 15 Scope-3-Kategorien ein, welche sich strukturiert abarbeiten lassen. Der Scope 1 deckt die direkten Emissionen des berichtenden Unternehmens ab, zum Beispiel den Einsatz von Brennstoffen in stationären Anlagen, einen Fuhrpark oder flüchtige Gase. Im Scope 2 werden sämtliche Emissionen bilanziert, welche durch zugekaufte Energiearten wie Strom, Dampf, Wärme oder Kälte freigesetzt werden. Der Scope 3 lässt sich unterteilen in vorgelagerte und nachgelagerte Aktivitäten. Um zu vermeiden, dass Emissionen innerhalb des eigenen Unternehmens mehrfach gezählt werden, ist es wichtig, die Bilanzgrenzen der 3 Scopes vor der Bilanzierung festzulegen. Je nach Unternehmensbranche und dem Setzen der Bilanzgrenzen, kann die Aufteilung der Emissionen auf die 3 Scopes stark variieren (siehe Beispiele Anlagenbau und aluminiumverarbeitendes Unternehmen).

Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht

Wesentliche Herausforderungen, vor welche ich bei der Erstellung unserer CO2-Bilanz gestellt wurde, waren die folgenden:

  • Datenquellen: Welche Daten benötige ich? Welchen Daten kann ich vertrauen?
  • CO2e-Faktoren: Welche Emissionsfaktoren spiegeln meine Aktivitäten ehrlich wider?
  • Bilanzgrenzen: Für welche Emissionen fühle ich mich verantwortlich? Welchem Scope ordne ich diese zu?

Die Quellen (Datenbanken, Lieferanten, Institute usw.) für CO2-Äquivalenzwerte und Informationen über Verbräuche sind vielfältig und leider nicht immer transparent. Wichtig war für mich, dass neben Scope 1 und 2 auch Bereiche aus Scope 3 berücksichtigt wurden. Es war nicht leicht, immer eine eindeutige und nachvollziehbare Datenquelle zu finden. Zum Beispiel findet man Daten für das Versenden und Lesen von E-Mails von 1 g CO2 pro E-Mail über 4 g bis hin zu 27 g und mehr. Die Frage ist, was wird jeweils betrachtet? Eine kurze Info-Mail, eine Durschnitts-Mail, eine Mail mit Anhängen? Welche Energieverbräuche der einzelnen Schnittstellen wie Server, Übertragung und Endgeräten werden miteinbezogen? Hier wird deutlich, warum die Transparenz in der Bilanzierung so essenziell ist. Denn nur so lassen sich Vergleiche zu anderen Unternehmen oder Produkten herstellen und die Daten bewerten. Es ist wichtig, Quellen und CO2-Äquivalente in der Bilanz zu benennen, damit die Berechnungsgrundlage nachvollziehbar ist.

Fazit

Mein Tipp für Sie: Einfach mal anfangen und die Daten zusammentragen, die für Ihr Unternehmen relevant sind. So bekommen Sie ein erstes Bild für die CO2-Relevanz in Ihrem Unternehmen. Mir jedenfalls hat es viel geholfen, die Flut an Daten und Informationen mit Kriterien zu belegen und so unsere Daten zu strukturieren.

Bei unserer eigenen Klimabilanz und den Klimabilanzierungen unserer Kunden stelle ich fest, dass jede Klimabilanz nur dann Sinn macht, wenn sie so individuell ist, wie das Unternehmen selbst. Ein hohes Maß an Transparenz ist dabei wichtig, ebenso das Hinterfragen von Begriffen wie Klimaneutralität: Was bedeutet es für mein Unternehmen, klimaneutral zu sein – und in welchen Schritten soll dies bewerkstelligt werden? Die CO2-Bilanz bildet die Basis für die Strategie zur CO2-Neutralität über die Schritte CO2 vermeiden, CO2 verringern und als letzte Maßnahme CO2 kompensieren.

Mir ist es wichtig, eine stimmige Gesamtbilanz aufzustellen, welche transparent abbildet, wodurch Emissionen in welcher Höhe zustande kommen. Für Sempact werden wir die CO2-Bilanz auf unserer Webseite veröffentlichen, wenn die wesentlichen Daten für uns plausibel sind.

Blick in die Zukunft

Durch meine Arbeit mit CO2-Bilanzen ist mir noch bewusster geworden, dass man nicht alles sinnvoll messbar machen kann. Dies ist aus meiner Erfahrung auch nicht das Ziel einer CO2-Bilanz. Ich sehe die Klimabilanz vielmehr als ein Werkzeug von vielen, welches uns dabei helfen kann, ein höheres Bewusstsein über die Umweltauswirkungen unserer Tätigkeiten zu erlangen. Ich stelle fest, dass es viele kleine wie große Stellschrauben gibt, unsere Emissionen zu senken und dabei unsere Prozesse kontinuierlich hinsichtlich mehr Klimabewusstsein und Umweltschutz zu hinterfragen.

In diesem Sinne möchte ich Sie ermutigen, sich dieser Herausforderung zu stellen – gerne unterstütze ich Sie dabei. Sprechen Sie mich an!