ISO 50003 bedeutet: Einsparungen konkret nachweisen

PDCA Zyklus der ISO 50001
Der PDCA Zyklus der ISO 50001

Was bedeutet das konkret für ihr Unternehmen und Ihre ISO 50001?

Die ISO 50003:2014 hat im Kern zum Gegenstand: dass Stellen, die Audits und Zertifizierungen von Energiemanagementsystemen anbieten, also akkreditierte Stellen, und damit indirekt über die Zertifizierung auch für Unternehmen, überprüfen müssen, ob sich die energetische Leistung verbessert hat.

„Bei der Auditierung von Energiemanagementsystemen gem. ISO 50001 wird ein deutlicher Fokus auf Leistungsverbesserung gefordert. Schon bei Erstaudits muss wie auch bei Betreuungs- und Rezertifizierungsaudits als Bedingung für eine Zertifizierung die kontinuierliche Verbesserung der energetischen Leistung („energy performance“) nachgewiesen werden. Beim Audit durch die Zertifizierungsgesellschaft muss der Auditor Nachweise zur energiebezogenen Leistung sammeln und verifizieren. Nichtkonformitäten, die die Fähigkeit des Managementsystems beeinträchtigen, die beabsichtigten Ergebnisse zu erreichen (z. B. aufgrund fehlender Auditnachweise, dass eine Verbesserung der energiebezogenen Leistung erreicht wurde), sind von der Zertifizierungsorganisation als Abweichung zu bewerten.“

In der Konsequenz bedeutet das für Ihr Unternehmen, dass Sie ohne Messungen und Kennzahlen eine Verbesserung der energetischen Leistung nicht nachweisen können.

ISO 50006 und ISO 50015 können dazu als methodische Leitfäden herangezogen werden.

Das unten stehende Bild zeigt die Erfordernisse bei der Energiedatenanalyse. Wesentlich ist dabei die Berücksichtigung von Einflussfaktoren, welche mit der Kennzahl korrelieren. Diese sind zu ermitteln und zusammen mit den Kennzahlen zu dokumentieren.

Erfordernisse bei der Energiedatenanalyse
Erfordernisse bei der Energiedatenanalyse

Auf diese Weise können Kennzahländerungen, welche nicht auf Effizienzsteigerung basieren, begründet werden. Und gerade dies erwartet der Auditor.

Von SEMPACT dürfen Sie sowohl die Erstellung von Lastenheften für Energiedatenerfassung und Software, als auch das empirische Entwickeln von Kennzahlen erwarten. Die SEMPACT-Akademie bietet dazu entsprechende Kurse an.

Ich beantworte Ihre Anfrage

Dipl.-Ing. Thomas Schedl

Vorstand
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Das neue Energieeffizienzgesetz (EnEfG) – Was hat das mit meinem Unternehmen zu tun?

Blick in die Zukunft des neuen Energieeffizienzgesetz (EnEfG)

Das neue Energieeffizienzgesetz (EnEfG) ist am 18. November 2023 in Kraft getreten. Mit dem neuen Gesetz möchte die deutsche Bundesregierung den Energieverbrauch dauerhaft senken. Angedacht ist eine Senkung um ca. ein Viertel bis 2030 im Vergleich zu 2008. Energieeinsparungen und die Steigerung der Energieeffizienz leisten einen Beitrag zur Erreichung der EU-Klimaziele.


Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, wurde am 21.09.23 sowohl das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) im Bundestag beschlossen als auch Änderungen im Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G).

Die Änderungen fokussieren einen ressourcenschonenden Umgang mit Energie. So soll zum aktiven Klimaschutz aufgefordert und der Erhalt unserer Lebensgrundlage sichergestellt werden. Zudem soll Deutschland als Wirtschaftsstandort attraktiv und zukunftsorientiert bleiben. 
Daraus ergeben sich neue Anforderungen für die öffentliche Hand und für Unternehmen. Hierzu einige Schlagworte.

  • Vorbildfunktion der öffentlichen Hand
  • Verschärfung der Energie- oder Umweltmanagementpflicht
  • Vermeidung und Verwendung von Abwärme
  • Erstellung und Veröffentlichung von Umsetzungsplänen für alle als wirtschaftlich identifizierte Maßnahmen
  • Klimaneutrale Rechenzentren

Wir haben im Folgenden die Anforderung anhand des Gesamtenergieverbrauchs¹ gegliedert. Also werfen Sie doch einen Blick auf den Gesamtenergieverbrauch Ihres Unternehmens und finden Sie heraus, was zu tun ist.

Ihr Unternehmen hat weniger als 2,5 GWh Gesamtenergieverbrauch?

Jackpot! Sie dürfen sich freiwillig mit Energieeffizienz und einem ressourcenschonenden Umgang mit Energie auseinandersetzen. 
Wenn Ihr Unternehmen aber nicht als KMU gilt, sollten Sie trotzdem sicherstellen, dass Sie Ihre Energieauditpflicht nach EDL-G § 8 erfüllen. Wenn Sie ein Energieaudit nach der DIN EN 16247-1 durchführen müssen, so gilt ab Inkrafttreten des Gesetzes die neue Fassung der DIN EN 16247-1².

Aufgrund der Komplexität der Herausforderungen fällt es kleinen Unternehmen oft schwer, individuelle Ansatzpunkte für Klimarisikomanagement zu identifizieren und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Deshalb empfehlen wir ein strategisches Vorgehen. 

Ihr Unternehmen hat mehr als 2,5 GWh Gesamtenergieverbrauch pro Jahr?

Die Abwärme Ihres Unternehmens muss genau bewertet und auf den technisch unvermeidbaren Anteil reduziert werden.

Dann sind Sie von folgenden Anforderungen des Gesetzes betroffen:

1. Sie werden dazu verpflichtet konkret durchführbare Umsetzungspläne für Energieeinsparmaßnahmen zu erstellen und zu veröffentlichen.

Das betrifft Maßnahmen aus Energie- oder Umweltmanagementsystemen oder Energieaudits, die gemäß DIN EN 17463 (VALERI) als wirtschaftlich identifiziert wurden.

Wirtschaftlich bedeutet in diesem Kontext, dass die Maßnahme nach 50 % der Nutzungsdauer einen positiven Kapitalwert hat, wobei die Nutzungsdauer auf max. 15 Jahre begrenzt wird.

Die Umsetzungspläne sind von Zertifizierern, Umweltgutachtern oder Energieauditoren zu bestätigen.

2. Fokus auf die Abwärme!

Es ist an der Zeit, die Abwärme Ihres Unternehmens genauer zu bewerten, denn sie muss auf den technisch unvermeidbaren Anteil reduziert werden.

Der Ablauf ist wohlbekannt:

  • Step 1: Abwärme vermeiden;
  • Step 2: Abwärme reduzieren,
  • Step 3: Abwärme wiederverwenden.

Dabei gilt es auch über den Tellerrand hinauszublicken. Bei der Wiederverwendung der Abwärme sind beispielsweise auch externe Dritte außerhalb des Betriebsgeländes in Betracht zu ziehen.

3. Die Bundesstelle für Energieeffizienz will über das Abwärmepotenzial Ihres Unternehmens Bescheid wissen.

Die Informationen zur Abwärme Ihres Unternehmens sind daher meldepflichtig, immer bis zum 31. März des Folgejahres. Das betrifft unter anderem die Wärmemenge, die zeitliche Verfügbarkeit, das Temperaturniveau etc.

Eine Ausnahme von dieser Meldepflicht gibt es nur für klimaneutrale Unternehmen. Was genau „klimaneutrales Unternehmen“ bedeutet, wie „klimaneutral“ definiert und überprüft wird – daran wird noch gearbeitet. Dazu wird eine Rechtsvorschrift ausgearbeitet.

Ihr Unternehmen hat mehr als 7,5 GWh Gesamtenergieverbrauch pro Jahr?

Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001

Dann müssen Sie ein Energie- oder Umweltmanagementsystem einführen und betreiben. Wobei sich Energiemanagementsystem auf die DIN ISO 50001 und Umweltmanagementsystem auf EMAS bezieht. Dafür haben Sie ab Inkrafttreten des Gesetzes 20 Monate Zeit. – also genau bis zum 18. Juli 2025.

Wichtig! Die ISO 14001 gilt NICHT als Erfüllung der Anforderung nach dem EnEfG. 


Wir empfehlen bereits jetzt aktiv zu werden. Die Einführung eines Managementsystems betrifft alle Geschäftsprozesse, vor allem auch die Führung des Unternehmens. Ein Prozess, der zeitliche und personelle Ressourcen bindet. Unser Expertenteam von SEMPACT unterstützt Sie gerne bei der strategischen Einführung und begleitet Sie bei Umsetzung der Normen. Zusätzlich bieten wir über unsere Akademie Kurse an, die es Ihrem Team ermöglichen, die Anforderungen selbstständig anzuwenden.  

Was passiert, wenn Ihr Unternehmen die Anforderungen aus dem EnEfG nicht umsetzen?

Eine Nicht-Erfüllung der Anforderungen bedeutet eine Ordnungswidrigkeit. Je nach Einstufung der Schwere werden Bußgelder von bis zu 100.000 € erhoben. Viel relevanter ist aber, dass es keine Alternative gibt, um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Ihre Kunden werden Klimaverantwortung zunehmend fordern.

Vorteile einer Klimastrategie

Obwohl das Themenfeld komplex und noch nicht konkret ist, hilft es Unternehmen, die Dekarbonisierung nicht als Bedrohung, sondern vor allem als Wachstumschance zu sehen. Ein strategisches Vorgehen hilft, Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Richten Sie Ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten Schritt für Schritt auf die Erreichung Ihrer individuellen Klimaziele aus, um Vorteile für Ihr Unternehmen zu erarbeiten und zukunftsfähig zu Wirtschaften.  

  • Wettbewerbsfähigkeit 
    • Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen buchen nach Zahlen des Umweltbundesamtes ein stetiges Wachstum. Im Wettbewerb um Kunden haben solche Angebote immer mehr Durchsetzungsvorteile.
  • Lieferketten 
    • Immer mehr Großkunden und Konzerne fordern von Ihren Zulieferern Nachweise zu nachhaltiger Produktion. Unternehmen, die sich strategisch aufstellen, haben Vorteile gegenüber (ausländischen) Wettbewerbern. Hinzu kommt das Lieferkettengesetz, das bereits jetzt den verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Lieferkette fordert. 
  • Personal- und Nachfolgethemen 
    • Es wird zunehmend schwieriger, gute Fachkräfte zu finden und zu halten. Jüngere Generationen sehen aktiven Klimaschutz zunehmend als Argument, sich für ein Unternehmen zu entscheiden und dort zu bleiben. 
  • Unternehmerische Risiken 
    • Betriebliche Investitionen in Klimaschutz minimieren allgemeine unternehmerische Risiken und beeinflussen das Image nachhaltig positiv. 

Fußnoten

¹ Gesamtenergieverbrauch = Summe über alle Energieträger (Strom, Gas, Fernwärme, Diesel etc.) im Mittel der letzten 3 Jahre

² Nach DIN EN 16247-1 November 2022. Bisher wurde nach der DIN EN 16247-1 Oktober 2012 auditiert.

Quellen

Ich beantworte Ihre Fragen

Antonia Meichelböck, M. Eng.

Energieeffizienzcoach
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